festivals

nein, nicht solche westler-festivals sondern die art von festivals wo mücken erleuchtet werden. also fast.

bhutan ist tief geprägt vom vajarayna-buddhismus und seinen traditionen. vayrajana wird oft als unzerstörbarer weg übersetzt; einer der geschick und weisheit nutzt, um hürden und schwierigkeiten auf dem weg zur erleuchtung zu überwinden. er ist auch handlungsmaxime für die bhutanesische regierungspolititk. einer der vier wichtigsten prinzipien davon wiederum ist der erhalt und die förderung von traditionen und kultur, wobei festivals eine grosse rolle einnehmen. ultimatives ziel im buddhismus ist das leiden umzuwandeln, um glück als positiven mentalen zustand zu erleben. festivals können als manifestation dieser aspirationen gesehen werden. tsechus (heilige festivals) schaffen eine umgebung, in der alle gesellschaftsschichten zusammenkommen und eine harmonische mentalität begünstigen. sie werden als instrument zur förderung von glück und zur stärkung der gemeinschaft und beziehungen genutzt. aber auch für jedes individuum (sowie fühlende wesen die sich in der nähe befinden, wie zum beispiel mücken) soll die erfahrung der heiligen tänze eine verheissungsvolle möglichkeit für transzendenz sein.

ein festival anzuschauen reicht dann vielleicht aber doch nicht ganz (sorry mückli). der vayrajana-weg soll zwar einer der schnellsten aber auch einer der schwersten zur erleuchtung sein und viel hingabe erfordern. tsechus bieten unterhaltung, wichtiger ist jedoch die erinnerung an die verschiedenen dimensionen des vayrajana-buddhismus. verehrung von symbolen ist nicht das ziel des buddhismus, vielmehr geht es darum eine adäquate beziehung zu ihnen aufzubauen und sie als potentielle hilfen auf dem weg zur erleuchtung zu erkennen. im wesentlichen ist der buddhismus nämlich eine kultivierung des denkens.

die tsechus in bhutan ehren speziell guru rinpoche. die heiligen tänze zelebrieren und inszenieren seine taten, als er den buddhismus in der region von bhutan begründete. sie zeigen die verwandlung in eine gottheit und die bezwingung der bösen geister durch achtsamen tanz. es ist aber nicht eine form von exorzismus – auch wenn  sie ihren usprung in schamanischen praktiken haben. vielmer sollten sie als mandala gesehen werden: der tanzgrund ist heiliger boden, der die kräfte in physischer form symbolisiert, welche in unserer psyche wirken. letzteres wird durch verbale liturgien angesprochen. die tänze sind subtil; jede geste und jedes kostüm hat ihre eigene bedeutung und sollte meditativ wirken, indem man durch konzentration auf das bewusstsein, die vertrübung durch die sinneswahrnehmung loslässt.

ausschnitte aus heiligen tänzen und bhutanesischem volkstanz

und dann sind da noch die masken: zornige, halbzornige und friedliche mit zwei augen, drei augen (um die vergangenheit, gegenwart und zukunft zu sehen), einem bis zu fünf schädeln (letzteres repräsentiert die fünf buddha-familien und die mit ihnen assoziierten weisheiten), dann spielt die farbe der maske eine rolle. …und so weiter.

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guru rinpoche versprach an jedem zehnten tag (bedeutung des wortes tsechu) des bhutanesischen mondkalenders wiederzukehren, weshalb diese daten heilig sind und ihm mit festivals oder opfergaben gedacht wird. tsechus sind aber auch gelegenheit, die schönsten handgewobenen kiras (traditionelle kleidung für frauen) und ghos (…für männer) hervorzuholen – denn je farbiger und aufwendiger desto mehr segen (und facebook-likes) soll man erhalten.

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