via alpina: berner oberland und waadtländer alpen

und weiter geht es, beziehungsweise ich. in diesem beitrag von meiringen durchs berner oberland (die asiaten wissen längst, wo es schön ist) und die waadtländer alpen nach montreux.

meiringen – grindelwald

ich starte den tag mit einer erfrischenden dusche bei den reichenbachfällen, wo sherlock holmes moriarty besiegte. dann ist es an mir mit der verfolgung der nächsten wanderzeichen etwas detektivarbeit zu leisten die mich zum geschichtsträchtigen hotel rosenlaui führen, wo schon nietzsche, tolstoi und goethe übernachtet haben. zumindest für letzteren war das haslital eine inspiration. sicherlich nicht nur die berge, sondern auch die kraft des wassers, welches auch in der gletscherschlucht rosenlaui tosend, sprudelnd und schäumend den fels unermüdlich weiterformt und auch den einen oder anderen gegenwärtigen zeitgenossen inspiriert. die natur ist auf jeden fall auch für mich grosser motivator für die nächsten kilometer aufwärts richtung grosse scheidegg und wieder runter nach grindelwald.

via alpina meiringen grindelwald grosse scheidegg

grindelwald – mürren

von einem guten zmorge und fanstastischem blick auf das wetterhorn, schreckhorn und eiger gestärkt, mache ich mich auf den weg auf die kleine scheidegg, die eigentlich die grössere ist. grund dafür ist wohl die grössere bedeutung der grossen (also der höhenmässig kleineren) scheidegg in früheren zeiten. schweizer bergnamen sind eine lustige sache: heidis peter war ja der meinung, dass berge nicht heissen. und das war tatsächlich so, solange sie keine (wirtschaftliche) bedeutung hatten. für viele gipfel ist das erscheinungsbild grundlage. egg beispielsweise, bezeichnet einen abhang. und die bezeichnung alpen stammt entweder von ‚al‘ oder ‚ar‘ mit der bedeutung ‚hoch gelegener platz‘ oder von ‚albus‘, was ‚weiss‘ bedeutet – weil schneebedeckte bergspitzen. aber weiter im text und auf der via alpina. der aufstieg nach alpiglen war mit ’steiler weg‘ angeschrieben und hat in der tat ein paar extra schweisstropfen produziert. und jeder davon hat sich für den rück-, an- und ausblick von der kleinen scheidegg gelohnt!

via alpina grindelwald mürren kleine scheidegg eiger mönch jungfrau lauterbrunnen wengen

in echt ist es noch viel besser. ausser die heckmair-route auf die eigernordwand dessen schwierigkeitsgrad schon kompliziert tönt. davor zu stehen und nachzuvollziehen wo da langgeklettert wird, würde ich dann schon irgendwo in der nähe von wahnsinn einordnen. die lauberhornabfahrt am gegenüberliegenden hügel auch – ich bin froh, dass die ski-saison noch nicht gestartet hat und ich das kernen-s nur mit wanderstöcken runtermuss. vom schönen wengen geht es dann nochmals s loch ab nach lauterbrunnen. in umgekehrter richtung rennen dort die läufer des jungfrau-marathon rauf – auch ein bisschen wahnsinnig. weil meine beine in lauterbrunnen noch ganz gut laufen, beschliesse ich auch noch ein paar höhenmeterchen anzuhängen und nach mürren zu gehen – rauflaufen ist, obwohl es etwas muckis und schnuuf (und manchmal auch einen fluch) braucht, mein favorit. dann kommt das runterlaufen. geradeaus ist ein bisschen langweilig. nach mürren braucht es einiges an kondition die steilen bergflanken zu überwinden; dang (der euphemismus kann wortwörtlich verstanden werden, ganz so schlimm war es nicht), warum baut man auf einer felskante, mitten im berg, ein dorf hinter dingen, die äusseren chrutterengraben heissen? nun ja, das klärt sich bei ankunft mit der traumaussicht auf eiger, mönch und jungfrau.

mürren – griesalp

mürren und das schilthorn wurden durch den james-bond-film ‚im geheimdienst ihrer majestät‘ weltberühmt. etwas weniger abenteuerlich ist für mich ganz ok, weshalb ich mich auf die schmalen trampelpfade auf graten und steilen felsseiten konzentriere. der lange aufstieg führt durch das wunderschöne sefinental und dann in das hintere kiental und weiter rauf zur sefinenfurgge. die aussicht von dort hat mich, wie auch fast der wind, umgehauen. how the heck kann jeder tag der schönste sein und trotzdem immer wieder getoppt werden?!

via alpina mürren griesalp kiental sefinental sefinenfurgge

mal oben, geht es wieder mal runter – nicht so schlimm wie highway to hell aber stairway to griesalp war es höhenmetermässig schon. unterwegs lerne ich ein pärchen aus polen kennen, die die via alpina ebenfalls laufen. sie schlafen im zelt und wichtigster teil des tages ist der frischgebraute kaffe in der pause um 11 uhr. sehr symphatisch. und im massenlager auf der griesalp treffe ich richard aus neuseeland wieder, dessen bekanntschaft ich schon in der jugendherberge in grindelwald machte. zusammen mit zwei romands geniessen wir ein dreisprachiges nachtessen.

griesalp – kandersteg

heute geht es, quer zu den höhenlinien, rauf zum höchstgelegenen punkt der via alpina. richard und ich haben beschlossen gemeinsam zu leiden und machen uns früh auf den steilen (ist irgendwie wie mit dem täglichen übertreffen des schon schönsten tages – es geht auch immer noch ein bisschen steiler), den flanken entlangführenden backofenaufstieg, um den menschlichen dramen, welche sich hier am frühen nachmittag ereignen, nicht beiwohnen zu müssen. gut werden die letzten höhenmeter zum höhtürli mit treppen „vereinfacht“. #lacticacidfuckery. noch 50 höhenmeter weiter haben wir es vom hohtürli bis zur blüemlisalphütte geschafft und sind wortwörtlich und auf glücksgefühlen high. und der rundumblick lässt liebe für jeden zurückgelegten höhenmeter aufkommen.

und ja, es geht auch heute wieder runter. die via alpina hat ja so ihre hochs und tiefs. der erste teil des weges nach kandersteg ist superschön. der zweite theoretisch auch, doch dicke wolken erschweren die beurteilung etwas. aber der oeschinensee auf dem weg nach kandersteg soll ja einer der schönsten bergseen der schweiz sein.

via alpina griesalp kanderstag hohtürli blüemlisalphütte

wandertipp: lauterbrunnen – mürren – griesalp – kandersteg

diese zwei etappen sind meine favoriten der via alpina. mit start in lauterbrunnen oder der sonnenterasse mürren (von lauterbrunnen die luftseilbahn zur grütschalp nehmen, dann empfehle ich aber nach mürren zu laufen, es gäbe aber auch ein bähnchen). via spielbodenalp und rotstockhütte geht es inmitten wunderschöner natur zur sefinenfurgge. man will fast nicht wieder runter richtung griesalp, wo man, wie ich, einfach im golderli oder etwas gediegener in einem der fünf beieinanderliegenden hotels der griesalp übernachten kann.

route: lauterbrunnen – mürren – spielbodenalp – rotstockhütte – sefinenfurgge – alp bürgli – griesalp
distanz: 22 kilometer, 2’000 meter rauf, 700 davon könnte man der luftseilbahn überlassen, und 1’400 wieder runter
dauer: 9:00 stunden von lauterbrunnen, von mürren rund 6:00 stunden. von der grütschalp dauert es etwas mehr als eine stunde um nach mürren zu laufe

wie beschrieben, lohnt es sich am folgenden morgen früh loszuziehen und den steilen aufstieg trotz allem zu geniessen – das panorama ist wunderschön und wird mit jedem höhenmeter besser. nach dem körperlich anstrengenden aufstieg fordert der abstieg nebst genuss etwas konzentration. die stinkefüsse dann bitte nicht im oeschinensee baden – ich will da nochmals hin. dann einfach noch den nummer-eins-wegweisern der via alpina nach kandersteg folgen.

route: griesalp – obere bundalp – hohtürli – blüemlisalphütte – oberbärgli – oeschinensee – kandersteg
distanz: 17 kilometer, 1’450 meterchen rauf und 1’700 wieder runter
dauer: 7:10 stunden, ich empfehle eine lange pause bei der blüemlisalphütte einzuplanen
und sonst: trittsicherheit und schwindelfreiheit sind voraussetzung, schneeverhältnisse abklären, wetter beobachten und fernglas mitnehmen

kandersteg – adelboden

ich freue mich auf die heutige etappe, denn mama und papa laufen mit. weniger erfreulich ist das nassgraukalte wetter. aber: es gibt kein schlechtes wetter, nur schlechte kleider. durch die schlucht des alpbachs geht es also in engen kehren zur alp alpschele mit dem vorteil, dass wir nicht sehen wie hoch rauf es noch geht. einige kilo- und höhenmeter vor der bunderchrinde, dem heutigen high, lichten die wolken und mit den ersten sonnenstrahlen im gesicht und aussicht auf alle möglichen namen hörner rund um das nebelmeer ist der tag mehr als perfekt.

via alpina kandersteg adelboden bunderchrinde

adelboden – lenk

und heute laufe ich nochmals mit richard seine letzte etappe, bevor er zurückfliegt; ein gemütlicher abschluss. nur 720 meter rauf und 1’000 runter auf 14 kilometer verteilt, könnte man nach den letzten etappen schon fast als flanieren bezeichnen. entlang von moorgebieten mit reichhaltiger flora geht es nach geils und dann über die grosse, offene geländemulde auf den hahnenmoospass. dieser ist aufgrund der thermik ein paradies für modellsegelflieger; richard bevorzugt aufgrund seiner beinlänge und so aber etwas grössere maschinen und nimmt dann wie geplant den flug ab genf. obwohl wir spät losgelaufen sind, sind wir schon zur kaffeepause der polen oben und schliessen uns für einen frühen, langen lunch an. es ist schon schön, wie man unterwegs immer wieder den gleichen leuten begegnet und sich austauscht – so weiss jeder ungefähr wo alle anderen sind und man passt aufeinander auf. später geht es mit aussicht auf die freiburger alpen runter nach lenk. dänk.

via alpina lenk trüttlisbergpass

lenk – gstaad

von lenk geht die via entlang von bach, wald und skipiste richtung trüttlisbergpass. die sanfte seite der alpen beeindruckt mit einer gewaltigen rundumsicht vom eiger bis zu den rochers de naye. letztere sind hausberg von montreux, also nur noch ein paar mal rauf und runter bis zum ziel der via alpina. zuerst geht es aber rund um den giferspitz im turbachtal, das sich ziemlich in die länge zieht, richtung gstaad, wo ich, weniger angemessen gekleidet, angemessenerweise mit champagner rehydriere.

via alpina lenk gstaad trüttlisbergpass turbachtal

waadtländer alpen

von gstaad geht die via alpina über den col de jable, der kantons- und sprachgrenze ist, ins weltberühmte nirgendwo nach l’etivaz. kein käse – genau diesem, im kupferchessi über dem offenen feuer hergestellten hartkäse, verdankt das kleine dorf nämlich seine bekanntheit. mit einem kleinen umweg (die via alpina zeichnet sich nicht durch direkte wege aus) via château d’oex geht der weg nach rossinière. aber für die charmanten dörfer mit kunstvoll verzierten chalets macht man das gerne. über verschiedene cols geht es, auf der nun schon zweitletzten etappe, nochmals ein letztes mal rauf. auf 2’042 meter rundumsicht von den rochers de naye.

via alpina waadtländer alpen rochers de naye

ein ziemlich erhabenes gefühl auf die zurückgelegte strecke aus zacken und spitzen zu blicken. es ist eindrücklich, wie weit man kommt, wenn man einfach einen schritt nach dem anderen macht. und wie viele liebe menschen und spannenden geschichten man dabei begegnet. auch erstaunlich ist die masse an steinen in der schweiz – wahrlich ein steinreiches land. und all die höhenmeter eingerechnet ist es eigentlich auch ziemlich gross. und sehr schön!

via alpina montreux

auf den letzten schritten über die bereichernde zeit nachzudenken macht mich schon fast ein bisschen wehmütig. aber hauptsächlich glücklich und ich geniesse auch die letzten schritte. nach 18 tagen, 375 kilometern, 23’000 höhenmetern, vielen lächeln und ein paar herausforderungen, einer massenhaften menge an schritten und fast genauso vielen schönen momenten und begegnungen, stehe ich in montreux am ufer des genfersees. auch wenn das ziel schön ist, der weg war schöner. darum danke an alle mitschreitenden und unterstützenden. und an die höhenmeter und natur für die immer aufs neue erhebende zusammenarbeit!

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